Wallfahrtskirche Marienthal - 600 Jahre Geschichte


Die Anfänge Marienthals liegen in der Zeit des
Spätmittelalters um 1423. Die Westerwälder lebten um 1423
von dem, was das Land hergab. Das war meist die
Landwirtschaft. Viele arbeiteten aber auch in Kupfer- und
Eisenerzhütten. In einem solchen Abbaugebiet nimmt auch
die Geschichte Marienthals ihren Anfang. In dieses Tal führt
ein Hirte aus Hamm seine Herde zur Weide. Dort soll er ein
Bildnis der Muttergottes geschnitzt und unter dem Laubdach
einer Eiche aufgestellt haben. Sein frommer Sinn, so
berichtet die Legende, wurde durch mannigfaltige
Gnadenerweise des Himmels belohnt. So kam es, dass
weitere fromme Beter das Bild an der Eiche aufsuchten und
ihre Andacht verrichteten. Es wird berichtet, dass niemand
ungetröstet von dannen schied und gar oft erfolgten
wundersame Gebetserhörungen.

Das geschnitzte Bild hat über Jahre unter
freiem Himmel gestanden und ist dadurch nicht erhalten
geblieben. Das heute verehrte Gnadenbild, eine Statue von
105 cm ist etwa 1460 aus der Hand eines Künstlers
entstanden, welcher der Kölner Schule nahe stand. Zur
gleichen Zeit wurde auch die erste Kapelle gebaut, sodass
das Gnadenbild einen sichereren und würdigen Platz bekam.
Im Jahre 1489 erhält die Kapelle einen neuen Altar, der
durch den Kölner Erzbischof Johannes Spender eingeweiht
wurde. Zu dieser Gelegenheit wurde dem Ort der neue
Name “Marienthal“ der sich unter den Pilgern schon längst
eingebürgert hatte, förmlich verliehen. Für den Strom der
Pilger, der sich stetig durch das beschauliche Tal zum
Gnadenbild begab, wurde die Kapelle zu klein. Von 1494 bis
1503 wurde die erste Kirche gebaut.

 Ende des 15. Jahrhunderts war der Bekanntheitsgrad des
Gnadenbildes sehr groß. Es kamen sogar Pilger aus Köln,
Wuppertal, Drolshagen, von der Mosel usw. In den Zeiten
der Reformation gaben die Landesfürsten den Glauben vor.
Hier führte Graf Adolf von Sayn die Reformation ein. Dies tat
er vermutlich nicht nur, weil ihn sein religiöses Gewissen
dahin trieb, sondern neben anderen Gründen, weil die Kirche
nicht unerhebliche Besitztümer versprach.
Einen Wendepunkt in der religiösen Geschichte Marienthals
brachte das Jahr 1563 mit sich. Gut 100 Jahre bis 1664
musste die Ausübung der katholischen Bräuche offiziell
unterbleiben. Es wird jedoch berichtet, dass während der
ganzen Zeit, in der die Kirche protestantisch war, das
einfache Volk, getreu der von den Vorfahren überkommenen
Sitte, immer weiter in Marienthal seine Zuflucht nahm.

Fast 300 Jahre lang haben die Franziskaner-Patres in der
Folge die Seelsorge in Marienthal wahrgenommen. Doch
aufgrund der gravierenden Nachwuchssorgen konnte der
Orden nicht mehr genügend Mönche nach Marienthal
senden, so dass die Franziskaner-Patres Marienthal im
Jahre 1974 endgültig verlassen mussten. Von 1979 bis 2007
war der Orden des Hl. Michael aus Polen segensreich tätig.
Seit 2008 hat Pfarrer Frank Aumüller die Wallfahrtsseelsorge
übernommen. 
Anders als andere Wallfahrtsorte, entzieht sich das entlegene
Marienthal im Westerwald dem Blick des eilig Vorbeiziehenden.
Es ist keine brodelnde Metropole, sondern ein Ort der
Beschaulichkeit, Innerlichkeit und Sammlung. 

Marienthal wartet nicht mit imposanten Kirchenbauten und dem
dazu gehörenden Wallfahrtgetriebe auf; vielmehr ist es die
Schlichtheit und Verborgenheit, der diesen Ort seit nunmehr
600 Jahren zum Anziehungspunkt für ungezählte Menschen in
all ihren Nöten, Ängsten und Sorgen macht. In der rechten
Seitenkapelle findet der Pilger das eigentliche Ziel seiner
Wallfahrt: die „Schmerzhafte Mutter“ von Marienthal, eine
ausdrucksstarke Pietadarstellung aus dem 15.Jahrhundert. Hier
begegnet der Beter in Maria einer Frau, die weiß, wovon sie
spricht. Denn das Leid und die Mühen eines Menschenlebens
sind auch der Gottesmutter nicht erspart geblieben. Im
leidenden Angesicht der Pieta kann der betende Betrachter
seine eigene Lebens- und Leidensgeschichte wiederfinden.

Text: Pfr. Frank Aumüller